Newsletter 28 – im Dezember 2019

Liebe Mitglieder, liebe Genossinnen und Genossen,

seit dem letzten Newsletter sind über zwei Monate vergangen und trotz (kirchen-) politischer Gegenwinde – dies gilt nicht für alle Kooperationspartner – hat sich unsere Anlagenzahl auf 20 erhöht. Die beiden neuen PV Anlagen wurden auf Kindergartendächern in Mannheim installiert. Eine Anlage hat eine Leistung von 9,75 kWp, die andere in der Sporwörthstraße. eine Leistung von 20,15 kWp. Auf dem Foto zu sehen ist die fast fertiggestellte Anlage in der Atzelbuckelstraße:

Atzelbuckelstr.Detail

Wünschen würden wir uns viel größere und rentablere Anlage, aber diese sind eher rar und wenn sind es Anlagen aus dem Bereich diakonischer Einrichtungen und diese sind aus rechtlichen Gründen bei der Einspeisung des nicht genutzten Solarstroms ins allgemeine Netz, sehr zurückhaltend, unternehmerisch tätig zu werden um nicht ihre Gemeinnützigkeit zu gefährden.

Um generell nicht nur um Mitglieder, sondern um Dächer und für die Kooperation mit kirchlichen Trägern zu werben, haben wir einen neuen Flyer entwickelt, den sie gerne an potenziell Interessierte weitergeben können. Dort finden Sie auch Hinweise die Hürde „Angst vor dem Verlust der Gemeinnützigkeit“ zu überwinden, Siehe ÖEG Internetseite unter Downloads (Link zur Datei). Der Flyer geht dieser Tage in Druck. Er soll u.a. darauf hinweisen, dass wir bei größeren PV – Anlagen gerne auch als Stromanbieter auftreten, den erzeugten Sonnenstrom an die jeweilige Einrichtung verkaufen, vielfach zu einem günstigeren Preis als dem Netz-Bezugspreis der Einrichtung. Den überschüssigen Strom verkauft die ÖEG nach EEG Konditionen an den Netzbetreiber.

Wie die von Fridays for future aufgestellte Forderung an die Berliner Politik, endlich aus Trägheit und Untätigkeit aufzuwachen, gilt dieser Appell auch den Kirchen: Sie wissen um die Notwendigkeit und Dringlichkeit des Handelns, und haben weitreichende Absichtserklärungen verfasst. Wir stehen seit 10 Jahren den Kirchen in Baden-Württemberg zur Seite. Unser Eindruck aus der täglichen Arbeit ist, dass sie weiterhin die Augen und Ohren verschließen. Die Kirchen befinden sich in einer Art „babylonischer Gefangenschaft“ in der kapitalistischen Konsumgesellschaft, die nach dem Motto „neben uns die Sintflut“ weiter auf Kosten von Mensch und Natur leben wie wirtschaften. Siehe auch die Thesen zu Klima und Kirche auf der ÖEG Internetseite unter Downloads (Link zur Datei)

Derzeit laufen die Klimaverhandlungen in Madrid. Vorab haben als 11.000 Wissenschaftler, darunter rund 900 aus Deutschland, in einer gemeinsamen Erklärung vor einem weltweiten „Klima-Notstand“ gewarnt. Weltweit haben die CO2 – Emissionen um 0,6 % zugenommen, bedingt durch stagnierendes Wachstum und den Einstieg in den Ausstieg aus der Kohleverstromung in Europa und den USA. Wenn sich das menschliche Verhalten beim Treibhausgasausstoß und anderen den Klimawandel begünstigenden Faktoren nicht grundlegend und anhaltend verändere, sei „unsägliches menschliches Leid“ nicht mehr zu verhindern, heißt es: „Wissenschaftler haben eine moralische Pflicht, die Menschheit vor jeglicher katastrophaler Bedrohung zu warnen“, sagte Co-Autor Thomas Newsome von der University of Sydney. Charles Eisenstein rückt in dem sehr lesenswerten Buch „Klima- eine neue Perspektive“ das Verhältnis des Menschen zur Natur in den Mittelpunkt, das er als Separation bezeichnet. Das Klima ist nicht von der von Pflanzen und Tieren bewohnten Biosphäre zu trennen, sondern das Klima ist ein Aspekt der Biosphäre ist und viel enger mit dem leben verbunden. Er schreibt: „Wir sehen nicht, dass das was wir entwerten und zerstören, Teil von uns selbst ist“. Und so fordert er ein neues Narrativ, wie: dem Lokalen, den Unmittelbaren, dem Qualitativen, dem Lebendigen und dem Schönen neuen Wert zu geben. Er lehnt sich auf gegen die Kommerzialisierung der Natur, dass alles nur unter dem Aspekt der Nützlichkeit betrachtet wird und das, was keinen (finanziellen) Wert hat – ob Natur oder Mensch – nutzlos und überflüssig wird. Wir sollten begreifen, dass manche Dinge nicht messbar sind, aber trotzdem unbezahlbar. Und häufig sehen wir nicht, dass das, was wir entwerten und zerstören ein Teil von uns selbst ist. Und Charles Eisenstein fährt fort, dass „sich der Klimawandel verschlimmern wird – selbst wenn wir es schaffen, den Gebrauch fossiler Brennstoffe drastisch zurückzufahren -, solange wir nicht das Ausgegrenzte, Entwertete und am Rand stehende wieder integrieren…. Dann werden wir die Bedeutung jener Dinge erkennen, denn wir geringe Priorität eingeräumt haben… Dann werden wir vielleicht verstehen, dass alles, was wir irgendeinem Teil der Natur antun, unausweichlich auf uns selbst zurückfällt.“ Weihnachten ist dann vielleicht auch eine gute Zeit darüber nachzudenken, was das Leben lebenswert macht.

In diesem Sinne eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit – als eine Zeit des Innehaltens, Nachdenkens, Neuausrichtens. Jedenfalls wünschen wir Ihnen/Euch – wie uns selbst auch – dass die oft vorherrschende, vorweihnachtliche Hektik irgendwie durchbrochen wird – aus dem eigenen Freundeskreis oder ganz von außen…

Herzlichst Ihre ÖEG’ler im Dezember 2019

Von der Kohle zur Sonne – oder warum ein*e Bürger*in aus dem Kohlenpott Mitglied in einer Energiegenossenschaft wurde.

Ich erinnere mich noch gut: Als ab 2013 die Finanzagentur der Bundesrepublik die Einstellung des Privatkundengeschäftes mit Bundesschatzbriefen, eine bis dahin sichere und bequeme Geldanlage, aus Kostengründen ankündigte, fragte ich mich: Was tun? Ich fragte zwei meiner Bekannten, von denen ich annahm, dass sie im Anlage- und Aktienbereich versiert waren, nach Anlagemöglichkeiten für mein Geld. Sie empfahlen mir Aktien bei EON und RWE zu erwerben, was ich dann auch tat. Nach einem Jahr musste ich feststellen, dass die Aktienkurse von EON und RWE beständig nach unten gingen. Von meinen Bekannten erhielt ich den Rat „Du musst durchhalten, es wird ja eine gute Dividende ausgeschüttet“. Ich erinnere mich, dass mein Einwand damals war, dass das eingesetzte Kapital weiter an Wert abnimmt. Die Bekannten versicherten mir „Du musst das aussitzen, das wird besser“. Aber es wurde nicht besser. Bis heute nicht. Ich habe mich dann entschieden alle Aktien zu verkaufen, denn ich war verärgert und dachte, dann kann ich mein Geld auch ehrlichen Leuten anvertrauen, z. B. einer Genossenschaft.

Ich habe mich dann auf die Suche gemacht und im Internet „Energiegenossenschaft“ eingegeben. So bin ich auf die Ökumenische Energiegenossenschaft in Bad Boll gestoßen. Bad Boll kannte ich aus privaten Kuraufenthalten. Bad Boll liegt in einer wunderschönen Gegend. Die Vorstellung eine Beteiligung an einem Modul auf dem Südflügel der Evangelischen Akademie zu haben, gefiel mir wirklich gut. Gedacht, getan. Das Ergebnis war: So wurde ich Genossin. Und ab und an gibt es auch 2 Prozent Dividende, besser als manche Spareinlage und ich tue etwas für die Umwelt.

Newsletter 26 – im Juli 2019

Liebe Mitglieder, liebe Genossinnen und Genossen,

vom Dortmunder Kirchentag, auf dem die ÖEG einen Stand hatte, sind wir – Roland Helber, Sebastian Braun und Jobst Kraus, wieder zurück – neu herausgefordert, aber auch ermutigt. Herausgefordert u.a. durch eindrückliche Beiträge von Johannes Rockström, dem Präsidenten des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung und seinem Vorgänger Hans-Joachim Schellnhuber. Bei beiden wurde nochmal deutlich, dass Politik und Gesellschaft 30 Jahre versäumt haben, entschieden etwas für die Energiewende zu tun und dass die Herausforderung mittlerweile existenziell ist und der Treibhausgas-Ausstoß alle 10 Jahre halbiert werden müsste um einen unkontrollierten Temperaturunterschied, Eisschmelze, Meeresspiegelanstieg mit allen Folgen abzubremsen. Hingewiesen wurde auch, dass Energiewende und der Erhalt der Biosphäre mit ihrer Artenvielfalt zusammengehören. Wenn Raubbau an der Natur getrieben wird, Humus schwindet, (Regen -) Wälder abgeholzt werden „töten wir unsere besten Freunde“ im Kampf gegen den Klimawandel. Die derzeitigen Juni-Temperaturen lassen ahnen, was auf uns zu kommt: Wenn wir keine Anstrengungen unternehmen den Treibhausgas-Ausstoß zu verringern (IPCC Szenario RCP8.6) werden wir Ende diesen Jahrhunderts hier Temperaturen wie auf Sizilien haben, wenn wir aber jetzt beherzt handeln und jedes Jahrzehnt den Treibhausgas-Ausstoß halbieren, können wir den Anstieg auf 1,5 Grad Celsius begrenzen (IPCC Scenario RCP2.6).

Gelingt uns das nicht, nimmt die Anzahl der Tage an denen der menschliche Organismus nicht mehr überlebensfähig ist, in den Tropen und Sub-Tropen teils so stark zu, dass dort kein menschliches Leben mehr möglich ist. Die Lebensweise in diesen Gebieten ist heute schon mit einer Begrenzung des Temperaturanstieges auf 1,5 Grad kaum vereinbar.

Ermutigend war in Dortmund der Auftritt von Fridays4future und die klare Forderung, dass die Gesellschaft mit ihrem Nichts-Tun den Generationenvertrag aufkündigt und endlich vom Reden zum Tun kommen muss. Der Kirchentag hat aber auch deutlich gemacht, dass die Zivilgesellschaft die „erneuerbare Energie“ ist. Dies wurde auch an unserem Infostandstand deutlich.

Des Öfteren wurde die ÖEG angefragt, ob wir auch PV – Anlagen in anderen Landeskirchen realisieren. Wir werden versuchen anzuregen, dass auch in anderen Landeskirchen oder Diözesen entweder ökumenische Energiegenossenschaften gründen oder mit Genossenschaften kooperieren, um möglichst rasch das Solarpotential auf Kirchendächern und die vorhandenen Effizienzpotentiale auszuschöpfen. Entsprechend sind wir als ÖEG auch optimistisch, dass die Kirchen uns als Kooperationspartner dringend brauchen. Entsprechend hoffen wir auf einen PV-Anlagen-aktiven Herbst. Ermutigend ist auch die wachsende Bereitschaft von Menschen ihr Geld von der Kohle zur Sonne zu verschieben. Hier ein Zitat aus einem Bericht eines unserer Genossenschaftsmitglieder: „Nach einem Jahr musste ich feststellen, dass die Aktienkurse von EON und RWE beständig nach unten gingen. Von meinen Bekannten erhielt ich den Rat „Du musst durchhalten, es wird ja eine gute Dividende ausgeschüttet“. Ich erinnere mich, dass mein Einwand damals war, dass das eingesetzte Kapital weiter an Wert abnimmt. Die Bekannten versicherten mir „Du musst das aussitzen, das wird besser“. Aber es wurde nicht besser. Bis heute nicht. Ich habe mich dann entschieden alle Aktien zu verkaufen, denn ich war verärgert und dachte, dann kann ich mein Geld auch ehrlichen Leuten anvertrauen, z. B. einer Genossenschaft.“ (vollständiger Text unter Von der Kohle zur Sonne – oder wie ein Bürger aus dem Kohlenpott Mitglied in einer Energiegenossenschaft wurde).

Und wenn jetzt im Herbst eine CO2 Bepreisung kommt, werden vermutlich auch die Rahmenbedingungen für Erneuerbare besser werden.

Aber: allein der Zubau an Erneuerbaren reicht nicht aus. Es muss kräftig Energie gespart werden. Auf Anregung bei unserer letzten Generalversammlung werden wir Mitgliedern einen Energiecheck anbieten. Erste Erfahrungen und ein ÖEG Angebot gibt es im nächsten Newsletter.

Bis dahin einen erholsamen Sommer 2019

Herzlichst Ihre ÖEG’ler im Juli 2019