FAQs

Was ist die ÖEG – in Kürze

Seit dem 15. Dezember 2009 wird auf dem Neubau der Evangelischen Akademie Bad Boll Solarstrom produziert. Montiert wurde die Anlage mit einer Leistung von 31,2 kW/peak am 9. Dezember. Die Ökumenische Energiegenossenschaft e.G. mit mittlerweile fast 300 Mitgliedern als Betreiberin der Anlage wurde im November 2009 mit dem Ziel gegründet, das große Potential bisher ungenutzter Dachflächen im Bereich kirchlicher Einrichtungen, etwa bei Heimen, Tagungsstätten, Verwaltungsgebäuden und Krankenhäusern für eine nachhaltige energetische Nutzung zu erschließen. Unter der Leitung von Kirchenrat i.R. Ernst-Ludwig Vatter (Vorsitzender des Aufsichtsrates) und Jobst Kraus (Vorstandsvorsitzender) will die Genossenschaft Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen dabei unterstützen, aktiv eigene Wege in eine umwelt- und sozialverträgliche Energieerzeugung zu beschreiten und zu finanzieren. Das kirchliche Motto „Die Schöpfung bewahren“ soll auch in diesem Punkt praktische Auswirkungen haben.

Die Genossenschaft – unter der Schirmherrschaft von Erhard Eppler, Prälatin Gabriele Wulz, BUND Landesvorsitzender Brigitte Dahlbender u.a. – möchte möglichst vielen Menschen – auch schon mit 100 € – eine Beteiligung an erneuerbarer Energiegewinnung bei kirchlichen Liegenschaften anbieten. Zur Verwirklichung dieser Vorhaben bietet die Rechtsform der Genossenschaft gute Vorraussetzungen: Sie verkörpert das demokratische Prinzip. Jedes Mitglied besitzt, unabhängig von der Höhe seines finanziellen Engagements, eine Stimme in der Generalversammlung.

Häufige Fragen:

Wieso betreibt die Kirchengemeinde die Anlage nicht einfach selber?

Möglich ist dieses, wenn auch oft sehr zeitaufwendig. Oft fehlen auch die finanziellen Mittel oder es gibt rechtliche Bedenken gegenüber der Gründung einer GbR oder GmbH, verbunden mit der Frage, ob die jeweilige Einrichtung auch ein Gewerbebetrieb sein kann (Probleme mit der Umsatzsteuer). Vielfach scheut man auch den technischen Aufwand am Anfang: Jemand aus der Gemeinde muss eine Ausschreibung formulieren, Angebote einholen, vergleichen, die Leistungen abnehmen, eine Versicherung abschließen.

Was muss dann die Kirchengemeinde/Einrichtung alles bieten, außer dem passenden Dach?

 

Die Genossenschaft kann nur dann in neue Anlagen investieren, wenn sich neue Genossenschaftsmitglieder mit der Zeichnung von Anteilen finden. Deshalb wirbt die Genossenschaft in Kooperation mit der Gemeinde/Einrichtung um neue Mitglieder – auch in Form von Veranstaltungen oder eines Flyers mit der genauen Beschreibung des Projektes (samt einem Foto, wie die Anlage künftig aussehen könnte). Die Kosten dafür übernimmt die Genossenschaft.

Die Gemeinde/Einrichtung sollte vorab eventuelle Fragen von Denkmalschutz, rechtlicher und finanzieller Zuständigkeit (Oberkirchenrat, Kirchenpflege) klären – auch ob der Vertrag noch von einer anderen Instanz unterzeichnet werden muss.

Was hat die Kirchengemeinde/Einrichtung von einer Solarstrom-Anlage?

Neben der vertraglich verabredeten monatlichen oder jährlichen Anmietung der von der ÖEG investierten Anlage zu einem an den Investitions- und Betriebskosten orientierten monatlichen „Strom-Miete“ – und das über die gesamte Vertragslaufzeit von 20 Jahren ist mit dem Projekt ein Gewinn an Image und Glaubwürdigkeit verbunden. Nach Ablauf des Vertrages kann die Einrichtung die Anlage zur eigenen Stromerzeugung nutzen, und möglicherweise dann hohe Strompreise (teilweise) vermeiden. Gemeindeglieder und Mitarbeitende können ihr Geld krisensicher anlegen. Nicht zuletzt: Die installierte Solaranlage zeigt, was die Sonne leistet und macht deutlich, dass sich Produktion und Konsum in die Natur einklinken können. Schöpfungsbewahrung und eine nachhaltige Klimakultur werden zum Gemeinde- und Institutionsgespräch – und Kirche geht voran.

Was ist der Gewinn für die Genossenschaft?

Ziel der Genossenschaft ist es nicht nur das angelegte Geld der Mitglieder haushälterisch zu verwalten und eine bescheidene Rendite (zwischen 2,0 und 3,0 %) zu erwirtschaften, sondern vor allem den Ausbau der erneuerbaren Energie im kirchlichen Bereich voranzubringen. Die Kirchen in Baden-Württemberg verbrauchen pro Jahr etwa 500 Millionen kWh und verantworten damit 350.000 t Klima schädigendes Kohlendioxid. Eine Solarstrom-Anlage von 10 kW Leistung (ca.100 qm Fläche) erbringt einen Stromertrag von ca. 10.000 kWh. Dies ist ein Tropfen auf den heißen Stein, aber viele Tropfen und ein energiesparendes Verhalten schaffen eine klimafreundliche Kirche.

Wie ist der zeitliche Ablauf des Projektes?

Der Planungsprozess könnte etwa wie folgt aussehen:

1. Die ÖEG erhält Unterlagen zum Dach, prüft die Statik und Beschaffenheit des Daches und erstellt daraus eine Projektbeschreibung mit Art, Größe und erwartetem (Strom-) Ertrag der Anlage sowie der damit erzielten CO2 Einsparung. Die ÖEG unterbreitet zeitnah einen Vorschlag für die Öffentlichkeitsarbeit und den abzuschließenden Dachnutzungsvertrag (mit Festlegung der Miete).

2. In der Gemeinde werden Genossenschaftsmitglieder geworben. Ist absehbar, dass neben dem vorhandenen Eigenkapital der Genossenschaft sich noch ausreichend Mitstreiter finden, tritt die ÖEG in den konkreten Planungsprozess ein.

3. Ausschreibung (nach ökologischen und sozialen Kriterien) und Erstellung der Anlage durch einen Fachbetrieb erfolgen so schnell wie möglich, sind aber abhängig von Lieferzeiten und Handwerkerverfügbarkeit.