Weihnachten 2016 – Newsletter 18

Liebe Mitglieder, liebe Genossinnen und Genossen,

dankbar blicken wir zurück, dass wir mit Ihrer Unterstützung die dezentrale erneuerbare Energieerzeugung weiter ausbauen konnten. Überwältigt waren wir, wie viele auf unsere bitte hin, ihre Anteile aufgestockt haben, schneller als unsere Bank uns Kreditkonditionen ausrechnen konnte ( die wir dann gar nicht brauchten. Derzeit ist es eher so, dass wir wieder auf der Suche nach neuen Anlagemöglichkeiten sind. Deshalb hat der Vorstand beschlossen, seine Mitglieder zu bitten derzeit – wir geben dann wieder „Entwarnung“ – maximal 500 € aufzustocken, damit wir nicht zu viel Geld auf der Bank liegen haben.

Wir haben zwar neue Projekte in Aussicht, wie eine PV – Anlage auf dem Dach der Gesamtkirchengemeinde in Mannheim und im Januar wird eine 8 kWp Anlage auf einem Kindergarten in Eislingen installiert (dem hat der dortige Kirchengemeinderat vor wenigen Tagen zugestimmt, aber die Realisierung – so unsere Erfahrung ist oft mühsamer als gedacht. Für 2017 hoffen wir auf weitere neue Projekte und nehmen da auch gerne Vorschläge entgegen.

Und was uns und vermutlich auch Sie beschäftigt:  Ein global wie national schwieriges Jahr geht zu Ende. Kommentatoren schreiben von „entgleister Globalisierung“. Stephan Lessenich, Soziologe an der Universität in München, schaut in seinem neuen Buch mit dem Titel „Neben uns die Sintflut – die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis“ noch ein wenig genauer hin und beschreibt die Kehrseite oder auch dunkle Seite unseres Wohlstands. An Beispielen globalen Handels, wie Baumwolle, Garnelen, Palmöl, Soja, dem Aluminium der Nespresso-Kapseln, verdeutlicht er, wie hochentwickelte Industriegesellschaften die sozialen und ökologischen Kosten externalisieren, Genuss und Gewinn für sich behalten. „In weiter Ferne, an den vielen Peripherien der kapitalistischen Weltökonomie, werden Arbeiten erbracht, Ressourcen gefördert, Giftstoffe freigesetzt, Abfälle gelagert, Landstriche verwüstet, Sozialräume zerstört, Menschen getötet – für uns, für die Menschen in den Zentren des Wohlstands, für die Ermöglichung und Aufrechterhaltung ihres Lebensstandards, ihrer Lebenschancen, ihres Lebensstils.“ Dies sollte uns auch als ÖEG zu denken geben, denn erneuerbare Energieanlagen enthalten Rohstoffe, deren soziale und ökologische Kosten wie selbstverständlich externalisiert werden. Es gibt zwar fairen Kaffee, aber noch kein faires Aluminium oder faire Autos.  Für Lessenich ist die Konsequenz, sich dies bewusst zu machen und nicht „wegzudenken“, die faire Beschaffung weiter voranzutreiben und letztlich für eine doppelte Umverteilung einzutreten: global wie auch national. 

Advent und Weihnachten sind Zeiten der Unterbrechung, des Innehaltens, sich Selbstverständlichkeiten bewusst zu machen und zu hinterfragen oder gar in Frage zu stellen. Es ist zu wünschen, dass Weihnachten neben der ersehnten Muße, zwischenmenschlicher Nähe auch Mut zur Veränderung bringt – Einzelnen wie auch Gesellschaften. 

Beginnen könnte man bei einer begrenzten Weihnachtsbeleuchtung. Hierzu ein Zitat aus der Zeit: „Das Institut für Energiedienstleistungen in Heidelberg rechnet alle Jahre wieder hoch, wie viel Energie die Deutschen für die festliche Beleuchtung ihrer Häuser und Straßen verbrauchen. Aktuell beträgt diese Schätzung etwa 500 Millionen Kilowattstunden. Erstaunlich ist, dass den Löwenanteil davon nicht die öffentliche Beleuchtung schluckt, sondern private Lichterketten, Weihnachtssterne und Christbaumkerzen (sofern sie elektrisch sind). Ein Tipp: Wer statt traditioneller Glühbirnchen LED-Lichter verwendet, verbraucht 80 Prozent weniger Strom für die Festtagsbeleuchtung. Wie kann man diese riesige Menge an Elektrizität begreifbar machen? Man kann sie ins Verhältnis zu dem setzen, was wir sonst für die Beleuchtung unserer Wohnungen benötigen. In den knapp fünf Wochen zwischen dem ersten Advent und dem Dreikönigstag verbraucht der Durchschnittshaushalt circa 190 Kilowattstunden für die zusätzliche Beleuchtung, das ist etwa die Hälfte des Stromverbrauchs, der sonst im Jahr für Beleuchtung anfällt. Oder man rechnet es auf den Gesamtstromverbrauch um – dann könnte man mit dem Strom für die Weihnachtsbeleuchtung etwa 140.000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgen“.

Wir bedanken uns bei Ihnen und Euch allen sehr herzlich für das uns entgegengebrachte Vertrauen und wünschen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr 2017 – mit viel Rückenwind, wärmender Sonne und wohltuendem Regen.

Herzlichst Ihre ÖEG’ler  im Dezember 2016 

 P.S. Save the date: die Genossenschaftsversammlung 2017 findet am 8.7. 2017 statt!

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