Zutiefst betroffen – aber nicht nur ohnmächtig

ÖEG-Newsletter Nr. 36 März 2022

Liebe Mitglieder, liebe Genossinnen und Genossen,

zutiefst betroffen und ohnmächtig hören wir die erschütternden Berichte aus der Ukraine und von den Menschen, die versuchen zu flüchten und so dem Bombenterror und der Gewalt zu entkommen. Im letzten Newsletter hatten wir noch geschrieben, dass wir uns in Deutschland und weltweit in einer dreifachen Krise von Klima-, Biodiversitäts- und Pandemie befinden und sehen jetzt, dass durch den völkerrechtswidrigen Krieg Putins gegen die Ukraine auch Frieden und Demokratie, Selbstbestimmung und Freiheit in Europa sehr bedroht sind. Der von der Berliner Koalition ins Auge gefasste Ausbau der erneuerbaren Energien bekommt jetzt nochmal eine zusätzliche Bedeutung: die Abkehr von Öl, Gas und Kohle, von denen Deutschland und die EU noch immer sehr abhängig sind, ist jetzt zusätzlich auch eine friedenspolitische Maßnahme. Die FDP spricht von Freiheitsenergie und meint damit die Erneuerbaren, die sie bisher eher ausgebremst haben. Interessant ist, dass ölreiche Staaten oft Diktaturen sind, während Sonne und Wind niemandem gehören und so Abhängigkeiten in den Hintergrund treten. So wird es zunehmend wichtig, dass die klimapolitischen Maßnahmen greifen und so die ökonomische Basis wie die Sicherheit durch die Stilllegung von Atomkraftwerken verlässlicher machen. Dies gilt weltweit – auch für die Ukraine und Russland, die durch eine dezentrale erneuerbare Energieerzeugung resilienter werden. Die Flagge der Ukraine spiegelt schon die Farben von Sonne und Wasser.

Dass Klimaschutz immer dringlicher wird, hat vor wenigen Tagen der IPCC, der Weltklimarat, erneut unterstrichen. In seinem Bericht weist er erneut auf die verheerenden Folgen der Klimakrise hin und erläutert dabei die Bedeutung natürlicher Ökosysteme für die Klimaanpassung. Mehr als 3,3 Milliarden Menschen werden in hohem Maße von den Auswirkungen der Klimakrise – unter anderem Hitze, Dürre, Überschwemmungen, Wassermangel – betroffen sein. Es sei laut Rat eindeutig, dass der Klimawandel eine Gefahr für den Planeten und das Wohl der Menschheit darstelle. Der Bericht zeigt auch den Zusammenhang zwischen Klimawandel, Artenvielfalt und Gesellschaft auf. So sollten 30 bis 50 Prozent der Ökosysteme weltweit, also Land- und Meeresflächen, vor starken menschlichen Eingriffen geschützt werden, heißt es. Aktuell gelten 15 Prozent der Land- und acht Prozent der Wasserflächen als geschützt. Es wird immer deutlicher, dass die Energiewende so rasch wie möglich zu realisieren ist.

Mittlerweile gibt es einen ersten Entwurf zur Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes, das sogenannte Osterpaket: Es soll die Bagatellgrenze für Ausschreibungen von PV-Anlagen auf ein Megawatt angehoben werden. Die Regierung plant auch einen höheren Vergütungssatz für die Volleinspeisung (bis 10 Kilowatt auf 12,5 Cent/kWh, bis 100 Kilowatt auf 10,3 Cent/kWh, bis 400 Kilowatt auf 8,5 Cent/kWh und bis 1 MW Leistung auf 7,3 Cent). Der Vergütungssatz bei Eigenverbrauch soll bei kleinen Anlagen jedoch nur bei 6,93 Cent/kWh liegen. Wieso das Ministerium auf Volleinspeisung setzt, ist unklar, vermutlich weil es dem Klimaschutz genauso dienlich ist wie der Eigenverbrauch. Interessant für uns als ÖEG ist der dezentrale Verbrauch vor Ort, also Direktlieferungsmodelle. Der Satz dafür von 6,93 Cent/kWh ist zu niedrig. Anlagen mit geringem Eigenverbrauch lohnen sich so weiterhin nicht oder die Dächer werden nur teilweise belegt. Dies sehen wir bei einigen Projekten von uns, wo die Dachfläche eine große Anlage von 250 kWh ermöglichen würde, wir aber nur eine 99 kWp Anlage bauen. Es gibt Diskussions- und Veränderungsbedarf, bis der Entwurf am 6. April ins Kabinett geht. Trotzdem gilt weiterhin: Zentral wichtig auf dem Weg in eine klimafreundliche Energiezukunft sind Energieeffizienz und eine sparsame Energiekultur in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität, da die Umwandlung der Kraft der Sonne viele endliche Ressourcen benötigt.

Und was macht die ÖEG gerade?
+ Die ÖEG besitzt aktuell 22 PV – Anlagen mit 557 kWp und einer CO2 Reduktion von ca. 211Tonnen. Derzeit sind drei Anlagen mit 102 kWp im Bau. Eine davon auf einer Werkstatt der Samariterstiftung in Schwäbisch Hall und zwei auf Kindergarten-Neubauten in Mannheim.

+ Bis Ende 2022 sind weitere 8 Anlagen mit ca.500 kWp geplant. Darunter sind 3 Schulen, ein Gebäude der Evangelischen Mission Südwest in Stuttgart, zwei Gemeindehäuser, ein Waldheim und ein Verwaltungsgebäude in der Region Stuttgart. All dies ist mit einem hohen Kapitalbedarf (ca. 500.000 €) verbunden.

+ Die ÖEG beteiligt sich mit einem Stand am Katholikentag, der vom 25.-29. Mai 2022 in Stuttgart stattfindet. Da wir verstärkt auf die katholischen Einrichtungen zugehen wollen und inzwischen mit Dr. Ludger Eltrop auch einen katholischen Kollegen im Aufsichtsrat haben, möchten wir den Katholikentag verstärkt auch zur Werbung für die ÖEG nutzen. Wer Interesse hat an ein paar Stunden Standdienst zu leisten und sonst auch den Katholikentag zu besuchen kann sich in dieser Umfrage eintragen: https://dudle.inf.tu-dresden.de/Katholikentag-OEEG/; Das Programm zum Katholikentag findet sich hier: https://www.katholikentag.de/programmmenue. Wir haben sechs Eintrittskarten zur Verfügung. Einige von uns waren auf dem Dortmunder Ev. Kirchentag. Wir hatten dort viele Gespräche mit interessierten Menschen. In Stuttgart erwarten wir Ähnliches, zumal wir dort lokal angesiedelt sind. Wir haben die Hoffnung, dass sich neue Mitglieder finden lassen und so neue Kontakte entstehen. Also bei Zeit und Interesse gerne melden!

+ Auch darüber hinaus suchen wir nach Freiwilligen, die die Zeit und Interesse haben, die praktische ÖEG – Arbeit unterstützen. Speziell interessiert sind wir an im Ruhestand befindlichen Elektromeistern, die die praktische Arbeit, die Gregor Roller und Sebastian Edel beim Bau von PV – Anlagen erbringen, fachlich zu begleiten. Da immer deutlicher wird, dass es an Handwerkern fehlt, überlegen wir derzeit auch, kleinere Anlagen in Eigenregie zu bauen.

+ Save the date: voraussichtlich ist unsere nächste Generalversammlung am 25. Juni von 14 – 18 Uhr in Bad Boll. Wir überlegen derzeit einen inhaltlichen Programmpunkt für die GV und informieren Sie dann im Detail mit einer detaillierten Einladung.

Und das Wichtigste zum Schluss: Werben Sie bitte neue Mitglieder und stocken Sie, wenn Ihnen dies finanziell möglich ist, ihre Beteiligung auf. Wir brauchen angesichts unserer diesjährigen Projektvorhaben das benötigte Investitionskapital. Auf der Generalversammlung im letzten Jahr hatten die Teilnehmenden beschlossen, zugunsten einer Ausweitung unserer Aktivitäten und der dazu nötigen Personalaufstockung auf eine Ausschüttung zu verzichten. Dies wird nur kurzfristig – hoffen wir – so bleiben, denn die zusätzlichen Anlagen sorgen dann auch für einen Zuwachs an Einnahmen. Und nicht zuletzt: jede Beteiligung an der ÖEG in Höhe von 1.000 € erspart der Atmosphäre Jahr für Jahr eine halbe Tonnen CO2.

In der Hoffnung auf ein Ende von Krieg und Gewalt und eine Wende zu Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung grüßen Sie sehr herzlich

Ihre/Eure ÖEG’ler im März 2022

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