
Ökumenische Energiegenossenschaft Baden-Württemberg e.G.
Newsletter Nr. 57 – August 2026
Auf ein Neues

Liebe Mitglieder, liebe Genossinnen und Genossen,
es gibt viel Neues unter der Sonne: Der „wachsende Windpark“ fotografiert von Bene Müller
von solarkomplex am 12. August 26 mit der Sonnenfinsternis. Zur Fertigstellung von
„Länge“ siehe weitere Informationen nachstehend.
Auch wenn unsere jährliche Genossenschaftsversammlung am 13. Juni schon fast 2 Monate
zurückliegt, möchten wir Sie/Euch über einige Highlights und den Stand der ÖEG
informieren. Wir haben uns gefreut, dass bei unserer überregionalen Ausrichtung immerhin
28 Mitglieder unserer Einladung gefolgt sind oder sich vertreten haben lassen. Besonders
erfreulich war, dass wir einige neue Mitglieder begrüßen durften.
Zu Beginn hielt Lukas Winkler, der für Energiegenossenschaften zuständige Referent des
bwgv (Baden-Württembergischer Genossenschaftsverband) ein sehr interessantes Referat
unter dem Thema „Genossenschaften bringen die Energiewende in BW und in Deutschland
voran – angesichts schwieriger und sich wandelnder Rahmenbedingungen“. Einige
Stichworte aus seinem Beitrag:
- Seit unserem Gründungsjahr ist die Anzahl der Energiegenossenschaften von 40 auf
173 mit mittlerweile 61.000 Mitgliedern und einem Jahresumsatz von ca. 1 Mrd. € - Angesichts einer wachsenden Emissionslücke zum Klimaziel 2030 muss der Ausbau
der Erneuerbaren beschleunigt werden. Hierfür kommt den Bürger –
Energiegenossenschaften eine zentrale Rolle zu. - Die Energiegenossenschaften verbinden Klimaschutz mit Bürgerbeteiligung und sie haben größten Einfluss auf die Gestaltung der Energiewende vor Ort (und in unserem ÖEG-Fall – in den Kirchen), dabei müssen sich die EGs weiterentwickeln
Nach einer Kaffee-Pause kam dann der formale Teil der Genossenschaftsversammlung mit
den Berichten von Sebastian Edel, dem geschäftsführenden Vorstand, dem Finanzexperten
Andreas Kneer und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Jobst Kraus. Auch aus deren Berichten
einige Stichworte:
- das operativ tätige ÖEG-Team – Jasmin Edel und Michael Widmann stellten sich kurz
vor – umfasst mittlerweile 4 Personen und einen Werkstudenten und ist auf 2,5
Vollzeitstellen gerechnet. - 2025 wurden 9 Anlagen-Projekte mit 306 kWp bearbeitet und verkauft. Die ÖEG
eigenen Anlagen produzierten ca. 910.000 Kilowattstunden in diesem Jahr, was einer
CO2 Einsparung von 20 kg je 100 € Anteil entspricht. - das Jahresergebnis ist um über 100 % auf 86.300 € gestiegen und wird ebenso
wie die Liquidität als sehr zufriedenstellend von Andreas Kneer und der
Versammlung bewertet. - Jobst Kraus, der eigentlich mit Erreichen seines 80igsten Lebensjahres von seiner
Position zurücktreten wollte, aber nun doch notgedrungen bis 2027 als AR –
Vorsitzender weitermachen wird, betont die erfolgreiche Professionalisierung der
ÖEG, verweist aber in seinem Beitrag auf die dünne Personaldecke angesichts
der großen Auftragsdecke und wünscht sich eine entsprechende Risikovorsorge. - Er dankt dem Vorstand und insbesondere Sebastian Edel wie auch den anderen
Mitarbeitenden für ihr großes Engagement, das diesen Erfolg möglich gemacht hat.
Sein Dank geht auch an das ausscheidende Mitglied des Aufsichtsrates Yasna
Crüsemann.
Die Versammlung beschließt einstimmig eine Ausschüttung an die Mitglieder in Höhe
von 2,5 %. Diese wird im September erfolgen. Vorstand und Aufsichtsrat werden
einstimmig entlastet. Einstimmig wird auch Dr. Volker Kienzlen, bis vor Kurzem
Geschäftsführer der Klima- und Energieagentur BW (KEA), zum neuen Aufsichtsrat
gewählt. Positiv aufgenommen wird die Bereitschaft der schon tätigen Aufsichtsräte, ihr
Engagement fortzusetzen. Der Aufsichtsrat beruft neu Dr. Günter Renz in den Vorstand,
der damit auch die Lücke im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Kontakte schließt, die
Jobst Kraus durch sein Ausscheiden aus dem Vorstand hinterlassen hat. Günter Renz
wird künftig auch die Federführung für den Newsletter übernehmen.
Mitgliederversammlung, AR und Vorstand sind sehr froh, sich mit den beiden neuen
Kollegen, die sich in einem der nächsten Rundbriefe ausführlicher vorstellen werden,
verstärken zu können. Mit dem Rückenwind – und einer ersten gemeinsamen Klausur
von AR und Vorstand wird die ÖEG auch neue Herausforderungen und Aufgaben
angehen. Auf ein Neues!! Bei Interesse senden wir Ihnen gerne die erwähnten Berichte zu.
Bitte eine kurze Notiz an Bettina Ober (b.ober@oeeg.de).

Apropos „Rückenwind“: der Windpark „Länge“, an dem die ÖEG mit anderen
Genossenschaften und kleineren Stadtwerken beteiligt ist, ist – wie auf dem Foto zu sehen –
im Werden. Maschinenhäuser und weitere Rotorblätter müssen noch montiert werden.
Wir hoffen, dass die Transporte rechtzeitig auf den lange (!) vereinbarten Strecken
erfolgen können (mittlerweile hatte eine nicht informierte Behörde dort Baustellen
eingerichtet). Ein Brandbrief aller Gesellschafter an die zuständigen Behörden bittet um eine entsprechende
zwischenbehördliche Koordination, die die rechtzeitige Anlieferung sicherstellt. Bis
Dezember müssen die Windräder in Betrieb genommen sein, sonst wird eine Vertragsstrafe
fällig. Wir hoffen das Beste.
Zur aktuellen Energiepolitik
In der Energiegenossenschaft verbindet uns das Bestreben, die Energiewende zu
unterstützen und voranzubringen. Wir verstehen uns als Dienstleister im kirchlichen und
karitativ-diakonischen Bereich. Das erweist sich immer wieder als sehr hilfreich, weil Kirchen
und Diakonie die Bewahrung der Schöpfung ein Herzensanliegen ist, sie selbst sich aber
naturgemäß in ihren „Missionen“ oft ganz verausgaben. Damit sich Kirchengemeinderäte
oder Pfarrer:innen nicht überfordert fühlen, das zu tun, was sie eigentlich auch noch tun
wollen, unterstützen wir sie.
Gerade in diesen heißen Wochen erfahren wir einerseits klar die Dringlichkeit der
Energiewende, gleichzeitig scheint immer unklarer zu werden, welche Weichen die Politik
stellen sollte oder auch nur, was sie gerade perspektivisch plant. Es ist leider kompliziert.
Als die Regierung 2012 die Einspeisevergütung für PV-Anlagen reduziert hat, war dies richtig
und überfällig. Verheerend jedoch war, wie plötzlich und drastisch sie es tat. Die Folgen:
Abwanderung der Solarindustrie, weniger Zuwachs bei Dach-Anlagen.
Man hat gelernt: langsamere, aber kontinuierliche Reduktion der Einspeisevergütung nach
dem Zielkriterium des angestrebten Zubaus (und parallel zu den fallenden Erzeugerpreisen
für die Module). Eine kluge Strategie, denn sie regte immer den Gedanken an: „Wenn ich
noch in diesem Halbjahr die PV-Anlage baue, bekomme ich für 20 Jahre etwas mehr
Vergütung, als wenn ich es verschiebe.“
Nun aber sollen Dachanlagen überhaupt keine feste (längerfristige) Einspeisevergütung
mehr erhalten. Das hat schon Gründe: tagsüber (und ganz besonders an Feiertagen), wenn
die Sonne scheint, ist zu viel Strom im Netz ist und die Preise gehen in den negativen
Bereich. Speicher sind die Lösung. Viele kaufen deshalb zur PV-Anlage gleich einen Speicher
dazu. Aber ist es wirklich sinnvoll, dass sich jeder einen Batteriespeicher zulegt, wenn doch
gerade eine Rekordzahl von großen Batteriespeichern angeschlossen werden und auch noch
in der Warteschlange stehen? Sie können ideal zum Spitzenausgleich dienen.
Wenn es bei dem kürzlichen Kabinettsbeschluss bleibt, wird ab 2027 jeder Einzelne
komplizierte Überlegungen anstellen müssen zur eigenen Nutzung und zu
Direktvermarktungsmöglichkeiten (die erst noch entstehen müssen). Natürlich versuchen
jetzt viele, eine Anlage noch 2026 zu installieren. Der Bundesverband Erneuerbare Energien
befürchtet einen drastischen Einbruch beim Bau von PV-Anlagen ab 1.1.2027. Und auch wir
als ÖEG müssen den Kirchengemeinden, die Interesse an einer PV-Anlage mit
Volleinspeisung geäußert haben, sagen, dass die Entscheidung eilt.
Schien es nicht allgemein anerkannt, dass Dächer ideal für PV-Anlagen sind (und ca. 60
Prozent der PV-Flächen sind auf Dächern!) und Freiflächen-PV auch nötig, aber eher die
zweite Wahl sein sollten? Wer hätte gedacht, dass ca. 10 bzw. 6 Cent Einspeisevergütung
(bei Voll- bzw. Überschusseinspeisung) dem Staat einmal zu teuer erscheinen werden,
nachdem die Vergütung im Jahr 2000 mit 50,62 Cent pro kWh startete! Das EEG ist ganz klar
eine Erfolgsgeschichte, zumal wenn man die weltweiten Nachahmungen und Wirkungen
bedenkt.
Wo Kirchengemeinden und Einrichtungen einen großen eigenen Strombedarf haben,
werden wir als ÖEG weiterhin unseren Beitrag leisten können, auch mit Speichern und ggf.
mit Ladestationen für Elektro-Autos. Wo dies nicht der Fall ist, aber gleichzeitig große
Flächen zur Verfügung stehen, wird Kreativität gefragt sein. Gibt es Mieter, an die der Strom
gehen kann? Ist das seit Juni 2026 mögliche Energy-Sharing im Nahbereich eine Option?
Es bleibt spannend und herausfordernd.
Nachstehend ein Selfie von Günter Renz, unserem neuen Vorstandmitglied, und Michael
Asomugha und Oliver Herrlein, der als Werkstudent bei uns arbeitet:

Und die ÖEG ist nicht untätig: die PVAnlage auf dem Dach des Hospitalhofs von 2014, die bedingt
durch die bodennahe Aufständerung nur noch einen mäßigen Ertrag brachte hat die ÖEG repowert: auf
der gleichen Fläche erzeugen jetzt die ertragreicheren Module mit einer Ost-West-Ausrichtung. ca. 90.000
kWh (vorher 28.000). Den Strom verkauft die ÖEG an den Hospitalhof.
Für unsere Mitglieder gilt noch weiter das Angebot, zusätzliche Anteile zu übernehmen: Da
aus privaten Gründen demnächst einige Mitglieder ihre Anteile zurückgeben möchten, gäbe
es für Interessenten aus unserer Mitgliedschaft die Möglichkeit diese Anteile zu übernehmen
und so bei sich aufzustocken. Interessenten wenden sich bitte an Bettina Ober
(b.ober@oeeg.de)
„Auf ein Neues“ gilt in vielerlei Hinsicht, um angesichts von Hitzewochen, Dürre,
Waldbränden, Bergrutschen und niedrigen Pegelständen der Flüsse, einen politisch kühlen
Kopf zu bewahren und privat wie gesellschaftlich das Neue auch praktisch auf den Weg zu
bringen. So braucht es unser aller Engagement, aber auch das Innehalten und Erholen. Wir
als ÖEG machen munter weiter – für Sie, die Erneuerbaren und für mehr Klimagerechtigkeit.
So wünschen wir Ihnen eine erholsame Zeit, den Mut sich zu engagieren, immer aber auch
ein schattiges Plätzchen.
Mit herzlichen Grüßen – und auf ein Neues!
Ihre/Eure ÖEG